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Projekte / Untersuchung des Kenntnisstandes von Unternehmer/innen und Beschäftigten auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutes in KMU

Untersuchung des Kenntnisstandes von Unternehmer/innen und Beschäftigten auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutes in KMU

Ausgangslage:

Kleine und mittlere Unternehmen bilden in der deutschen Wirtschaft eine relevante Größe. Rund 98% der Unternehmen in Deutschland haben zwischen 0 und 49 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und zählen damit zu den Klein- und Kleinstunternehmen.
Die Jahresberichte der Berufsgenossenschaften verdeutlichen, dass die  Unfallquoten mit steigender Betriebsgröße abnehmen. Oder anders ausgedrückt es besteht eine höhere Unfallgefährdung für Beschäftigte in Klein- und Mittelbetrieben.
Sowohl Wissenschaftler/innen als auch Praktiker/innen sind sich einig, dass Klein- und Kleinstunternehmen in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz vor besonderen Herausforderungen stehen. Überwiegend wird dies mit ihrer ‚defizitären Situation“ erklärt: Klein- und Kleinstunternehmen haben geringere Ressourcen als Großunternehmen für Arbeitsschutzausrüstungen und Sicherheitstechnik. Die personellen  Ressourcen  für eine systematische Umsetzung der Arbeitsschutzorganisation sind geringer und die Fachkenntnisse zu gesetzlichen Verpflichtungen häufig weniger ausgeprägt.
Allerdings wird zunehmend auch dafür plädiert Klein- und Kleinstunternehmen nicht vorrangig an Großbetrieben zu messen, sondern an ihrer speziellen Unternehmenskultur und an ihren Potenzialen anzuknüpfen. Zugleich verfolgen zahlreiche Projekte und Studien schon seit einigen Jahren das Ziel, Modelle und Handlungshilfen zu entwickeln, um den Arbeitsschutz speziell in Klein- und Kleinstunternehmen zu verbessern. Dennoch an der alltagstauglichen Umsetzung im Betrieb scheitert es häufig weiterhin! Dabei können die spezifischen Strukturen in Klein- und Kleinstunternehmen auch durchaus positive Ansatzpunkte liefern, wie z. B. enge Kooperationsstrukturen, informelles Wissen um Arbeitsstrukturen usw.

Projektziele:

Ziel des Projekts ist die Erhebung des Wissensstandes und der Wege des Wissenserwerbs von Unternehmer/innen und Beschäftigten in Klein- und Kleinstunternehmen (bis 50 Beschäftigte) auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.
In einem ersten Schritt soll der Kenntnisstand über die Anforderungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz (z.B. gesetzliche Anforderungen) und der Gefahren- und Risikoermittlung erhoben werden. Darüber hinaus soll ermittelt werden, wie und auf welchen Wegen das vorhandene Wissen erworben wurde.
In einem zweiten Schritt wird analysiert, über welches Handlungswissen zur Umsetzung Unternehmer/innen wie Beschäftigte verfügen und welches Wissen sie für handlungsrelevant halten.
In einem dritten Schritt wird ermittelt, welche Instrumente, Methoden und Informationswege Führungskräfte und Beschäftigte in den kleinen Unternehmen präferieren, um ihren Wissensstand und ihre Handlungskompetenz zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz auszubauen.

Methodisches Vorgehen

Der methodische Ansatz beinhaltet einen Mix aus quantitativen und qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung.

Literatur-/ Dokumentenrecherche

Gestartet wird das Projekt mit einer systematischen Literaturanalyse, wobei sowohl themenrelevante Studien und Dokumente als auch Maßnahmen und Handlungshilfen von Betrieben und Multiplikatoren gesichtet und ausgewertet werden.

Sekundäranalyse

Um empirische Daten zur Umsetzung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in Klein- und Kleinstunternehmen zu generieren, werden die Datensätze des IAB-Betriebspanels von 2002 und 2004 ausgewertet. Informationen zur Teilnahme von Beschäftigten an solchen Maßnahmen soll eine Sekundärauswertung der BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2005 / 2006 zu Tage fördern.

Repräsentative telefonische Befragungen von Unternehmer/innen und Beschäftigten

Im Rahmen von zwei repräsentativen telefonischen Befragungen sollen Unternehmer/innen und Beschäftigte in kleinen Unternehmen zum Wissensstand, präferierten Wegen des Wissenserwerbs sowie zur praktischen Umsetzung im Betriebsalltag befragt werden.
Die Entwicklung der Fragebögen basiert auf den Ergebnissen der vorherigen Analysen sowie auf leitfadengestützten Interviews mit Unternehmer/innen, Beschäftigten in ausgewählten kleinen Unternehmen sowie Multiplikatoren (z. B. Verbände). Ziel ist es 1000 Betriebe (bis 50 Beschäftigte) und 2000 Beschäftige aus kleinen Unternehmen zu befragen (jeweils Größe der Netto-Stichprobe).

Fallstudien in ausgewählten Branchen

Zur Vertiefung und Einbettung der repräsentativen Befragungsergebnisse in betriebsspezifische Handlungskontexte werden in insgesamt sechs Betrieben Fallstudien durchgeführt. Diese bestehen aus einer Analyse der jeweils arbeitsschutzrelevanten Rahmenbedingungen sowie leitfadengestützten Interviews mit den Unternehmern/innen und  Beschäftigten. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die Identifizierung und Beschreibung von Gute-Praxis-Beispiele gelegt werden.
Nach Abschluss der Untersuchung werden die Ergebnisse in Empfehlungen für innovative, bedarfsgerechte, zielgruppenspezifische und praxisnahe Methoden der Wissens- und Kompetenzerweiterung von Unternehmern und Beschäftigten auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes überführt.


Ansprechpartner/in:
Soziale Innovation GmbH
Dr. Cordula Sczesny
Helen Schulte

Das Projekt wird in Kooperation mit der Unique GmbH, Dr. Gerda Jasper, Sonja Kiesbauer durchgeführt.

Förderung:

Das Projekt wird durchgeführt im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin.

Laufzeit: 

05/2008- 04/2010